WordPress-Nachteile ausgleichen

Ich bin zwar ein großer Fan von WordPress, allerdings hat das OpenSource-System auch einige Nachteile, die andere CMS besser gelöst haben.

Übersichtlichkeit

Es wäre so schön, wenn man mit einem Klick die Seiten in der gleichen Reihenfolge sortieren könnte, wie sie im Hauptmenü ausgerichtet sind. Mit einer einfachen Baumdarstellung, wie es in Typo3 möglich ist, würde WordPress bei vielen Kritikern wesentlich besser ankommen:

Mit dem Plugin CMS Tree View kann man eine sehr übersichtliche Baumstruktur der Seiten erhalten.

Es gibt zwar mittlerweile in der Schnellbearbeitung einen Workaround die Seiten über die Reihenfolge zu sortieren, wirklich übersichtlich und einfach zu bedienen ist das aber noch nicht.

Benutzerrechte

Leider sind auch die Benutzerrechte recht intransparent und ohne Plugin nicht individualisierbar – in diesem Fall widme ich mich der Sache aber in einem separatem Beitrag zu den Nutzerrechten in WordPress.

Medien

WordPress ist zwar ein wunderbar einfach zu bedienendes CMS mit dem sich in der Regel gut und professionell kommunizieren lässt, allerdings ist die Mediathek alles andere als übersichtlich. Daher empfiehlt es sich entweder die Mediathek regelmäßig aufzuräumen – das kann man u. a. mit dem Plugin Media Cleaner einfach automatisieren – oder WordPress um ein Plugin für eine Ordnerstruktur zu erweitern.

Darüber hinaus akzeptiert WordPress von Haus aus keine SVG-Vektordateien. Diese sind aber wichtig, wenn man Grafiken auf allen Endgeräten scharf darstellen will (PNG- und GIF-Dateien kommen bei mobilen Endgeräten in der Regel an ihre Grenzen). Die SVG-Unterstützung lässt sich mit dem Plugin SVG Support oder mit folgendem Code in der functions.php-Datei des Themes aktivieren:

function cc_mime_types($mimes) {
 $mimes['svg'] = 'image/svg+xml';
 return $mimes;
}
add_filter('upload_mimes', 'cc_mime_types');

Abgesehen davon ist die in WordPress integrierte Bildkompression beim Upload noch viel zu schwach. Hier sind immer eine manuelle Kompressionen oder die Kompression mittels des Plugins Compress JPEG & PNG images nötig. 

WordPress legt außerdem für jedes Bild eine zusätzliche (HTML-) Seite an, die pauschal von Google indexiert wird. Solche sogenannten Attachment-Seiten sind ganz nett für Galerien, die man auf einer extra URL erreichbar machen möchte, allerdings ist die enorme Menge an schwachen URLs, die dadurch entstehen, ein SEO-Killer: Denn diese inhaltlich schwachen Attachment-Seiten kosten unnötig Crawl-Budget und beschränken somit die Indexierung der eigentlich viel wichtigeren Inhaltsseiten. 

Besser ist es demnach die Attachment-Seiten komplett zu deaktivieren. Das geht am besten mit dem Plugin „Smart Attachment Page Remove„. Etwas softer wäre es die Attachment-Seiten über die Metadaten-Experteneinstellungen unseres WordPress SEO Plugins (Punkt 7 in der Anleitung) nicht indexieren zu lassen.

Taxonomien

Ebenso schwach wie die Attachment-Seiten sind die meisten Kategorien und Schlagwörter (zusammen werden sie als Taxonomien bezeichnet). Denn viele Website-Betreiber und Moderatoren wissen gar nicht, welche Begriffe man als Kategorie oder Schlagwort anlegt und wann überhaupt eine neue Taxonomie angelegt werden sollte. In der Tat ist das auch kaum pauschalisierbar und vom Keyword-Konzept abhängig. Das Problem eines fehlenden Konzeptes sind selten benutzte Schlagwörter und Kategorien mit ähnlich dünnen Inhalten wie die Attachment-Seiten, welche also ebenfalls die SEO verwässern.

Wenn ich in der SEO-Beratung WordPress-Seiten überprüfe, ist meist eine der ersten Empfehlungen die Taxonomien aufzuräumen.

Deswegen empfehle ich den Nutzen jedes Schlagwortes und jeder Kategorie genau zu überlegen und deren Nachfrage idealerweise mit einer Keyword-Recherche zu überprüfen. Zusätzlich könnten durch das Plugin WP Terms Locks Moderatoren und Redakteure davon abgehalten werden, neue irrelevante Taxonomien anzulegen und mittels Anpassung der functions.php sogar die Schlagwörter komplett deaktiviert werden.

Kommentare

Was ebenfalls nur wenig Leute wissen ist, dass in den Kommentaren die standardmäßig aktivierten Avatare bei jedem Laden eine externe Datenverbindung mit gravatar.com herstellen.

Ob und welche nutzerspezifischen Daten Gravatar erfasst, weiß niemand, allerdings müssen die ihren Dienst nicht zum Spaß kostenlos anbieten. Deswegen ist eine der ersten und wichtigsten Einstellungen beim Setup von WordPress, die Avatare in den Kommentaren zu deaktivieren. Gut, dass dies mit einem Klick und ohne Programmierung sowie ohne Plugin funktioniert.

WordPress Avatare

Darüber hinaus funktioniert aber auch die Paginierung der Kommentare nicht logisch: Wenn man einstellt, dass drei Kommentare pro Seite angezeigt werden sollten, man aber fünf Kommentare hat, dann werden auf der Übersichtsseite nur zwei Kommentare dargestellt und nicht die letzten drei.

Damit man jedoch die Menge an nutzergenerierten Inhalten reduziert und somit insgesamt relevantere Inhalte erzeugen kann, können die Kommentare mit dem Plugin Lazy Load for Comments nachgeladen werden. Wir haben so eine ähnliche Funktion direkt in unser WordPress Theme integriert und empfehlen, das anderen Entwicklern genauso zu machen, so lange keine sinnvolle Lösung im WordPress-Core erscheint.

Sicherheit

WordPress ist zwar per se genauso sicher wie jedes andere CMS und jede andere Software, allerdings bestehen Sicherheitsrisiken durch die enorme Menge an einsetzbaren Plugins, welche nicht immer einheitliche Sicherheitsstandards haben. Deswegen reduziert man am besten die Anzahl an Plugins auf das Minimum und sichert seine Website zusätzlich durch eine Firewall wie All In One WP Security und entsprechende Sicherheitseinstellungen ab.

Da es aber nie vollkommene Sicherheit gibt (Wir erinnern uns bspw. an Hacker-Attacken auf den Deutschen Bundestag), empfehle ich zusätzlich eine externe Backup-Lösung wie ManageWP einzusetzen, die im Fall der Fälle ein schnelles Einspielen einer Nicht-Infizierten Sicherung ermöglicht.

Fazit

Es gibt zwar einige Nachteile des erfolgreichsten Website CMS, diese kann man aber ausgleichen. Wichtig dabei ist jedoch, dass eigene System nicht mit unnötig vielen Plugins voll-klatschen, sondern das Setup stets so schlank wie möglich zu halten, damit dein WordPress-Projekt möglichst schnell und sicher bleibt.