Editoren im Vergleich

Welcher WordPress Editor ist der Beste? Ein kurzer Vergleich vom Gutenberg Block Editor, WP Bakery Page Builder (Visual Composer) und Elementor.

An den WordPress-Editoren scheiden sich die Gemüter vieler Website-Entwickler und -Betreiber: Viele Entwickler schwören noch auf statische Layouts, welche mit dem Formular-ähnlichen Plugin Advanced Custom Fields, generiert werden. Kreative und Content-Manager dagegen setzen vermehrt auf Drag-and-Drop-Editoren.

Statische vs. Drag-and-drop-Editor

Ich bin weder ein Fan statischer Layouts noch ein Anhänger des anfangs genannten Advanced Custom Fields Plugin, da das meines Erachtens den Zweck eines Website-Redaktionssystems verfehlt: Man setzt ja ein CMS genau deswegen ein, um flexibel Redaktion betreiben und möglichst einfach kommunizieren zu können. Mit ACF ist das nur bedingt möglich, da sich Redakteure und Content-Manager immer nur in den vorgegebenen Bereichen bewegen können.

Umgekehrt ist mir aber auch bewusst, dass man manch einem Website-Nutzer nicht die Möglichkeiten geben möchte, gestalterisch aktiv zu werden, da das Layouten von Inhalten gekonnt sein will und auch ästhetischen Ansprüchen (sowie dem Corporate Design) genügen sollte. Dem kann man aber auch begegnen, indem man (bei einer kleinen oder visuell sehr anspruchsvollen Website) gar kein Redaktionssystem einsetzt oder die Benutzerrechte bzw. Einstellmöglichkeiten anpasst. Insofern ist meines Erachtens immer ein Drag-and-drop-Editor empfehlenswert.

Heutzutage kann man mit praktisch allen visuellen Drag-and-drop-Editoren sehr gute Ergebnisse erreichen – auch wenn man weniger gestalterisch erfahren ist. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass es mit jedem Editor möglich ist, dieselben anspruchsvollen Layouts zu kreieren, wenngleich es feine Unterschiede gibt. Deswegen möchte ich nachfolgend einen kurzen Blick auf die Vor- und Nachteile der bekanntesten drei Editoren liefern.

Disclaimer: Die folgenden Screenshots sind visuell anspruchslos erstellt, damit du die Editoren in einem objektiven Vergleich mit dem aktuellen WordPress-Theme „Twenty Twenty-One“ siehst.

Gutenberg-Block-Editor

Der Standard-Editor von WordPress hört auf den Namen Gutenberg oder Block-Editor. Er ist zwar kein richtiger visueller Editor (auch bekannt als WYSWYG – What-You-See-Is-What-You-Get), jedoch ist das gerade gut, um den Nutzern nicht allzu viel Gestaltungsmöglichkeiten zu geben.

WordPress Backend mit Gutenberg-/ Block-Editor

Sprich: Die Inhalte werden im Administrationsmodus von WordPress bearbeitet, in der mittleren Spalte sieht man diese in annähernd öffentlicher Darstellung (ohne Header, Footer mit leichten Abweichungen). In der rechten Spalte kann man die Seite bzw. den Beitrag im Allgemeinen bearbeiten, oder für jeden ausgewählten Block individuelle Einstellungen setzen.

WordPress Frontend

Den größten Vorteil spielt der Block-Editor allerdings in Sachen Ladezeit aus: Hier werden im Vergleich zu den beiden anderen Editoren, die ich nachfolgend beleuchte, bei gleichem Layout und Inhalten deutlich weniger Daten geladen. Demnach liefert der Gutenberg die schnellsten WordPress-Seiten aus und ist demnach auch aus Usability- und SEO-Sicht meine bevorzugte Wahl:

WordPress Ladezeiten mit Gutenberg-Editor: 484ms Ladezeit bei 18 Ressourcen

WP Bakery Page Builder

Ehemals als Visual Composer bekannt ist der Page Builder von WP Bakery deutlich flexibler einstellbar als der native Block-Editor:

Im Page Builder kann man für jede Auflösung und jeden Zweck jedes einzelne Element und sogar auch Elemente mit wiederkehrenden Inhalten wie z. B. Team- oder Blog-Darstellungen (sogenannte Loops) sehr flexibel einstellen.

WordPress Backend mit WP Bakery Page Builder

Neben dem Backend-Editor bietet der Page Builder auch einen Frontend-Editor, der eine fast identische Bearbeitung der Inhalte zur späteren öffentlichen Darstellung ermöglicht. Ich stufe den Page Builder in Sachen Flexibilität als Benchmark für den Block-Editor ein, leider ist die Ladezeit für dessen Inhalte aber auch rund 50 % schlechter:

WordPress Ladezeiten mit Page Builder-Editor: 694ms Ladezeit bei 20 Ressourcen

Da ich sehr großen Wert auf SEO lege und dazu optimale Ladezeiten wichtig sind, ist der WP Bakery Page Builder trotz enormer Flexibilität bei der Gestaltung der Inhalte nur die zweite Wahl für mich.

Elementor Editor

Kommen wir nun zum bekanntesten Mainstream Editor „Elementor“. Dieser wird in vielen Premium-Themes eingesetzt und ist in der Tat auch entsprechend schick aufgebaut:

WordPress Backend mit Elementor

Die Inhalte werden in einem extra Backend-Editor bearbeitet, welcher die regulären WordPress-Elemente wie z. B. die Veröffentlichungseinstellungen ausblendet. Das ist einerseits gut für den Fokus, da man sich dadurch ausschließlich auf die Inhalte konzentrieren kann, wenn man allerdings in die Veröffentlichungsplanung oder Metadaten gehen will, muss man den Editor verlassen und entsprechende Einstellungen ohne Vorschau auf die Inhalte vornehmen.

Die Gestaltungsmöglichkeiten mit dem Elementor sind sehr gut, liegen aber leicht hinter denen vom WP Bakery Page Builder.

Das visuelle Resultat vom Elementor ist zwar dasselbe wie bei Gutenberg und Page Builder, allerdings ist die Ladezeit fast doppelt so hoch wie beim Block-Editor:

WordPress Ladezeiten mit Elementor-Editor: 785ms Ladezeit bei 32 Ressourcen

Fazit

Der native WordPress Editor „Gutenberg“ ist zwar von den Gestaltungsmöglichkeiten her reduzierter als Page Builder und Elementor, allerdings deutlich schneller. Da ich ohnehin den Redakteuren nicht zu viel kreativen Freiraum lassen möchte, um ein professionelles Webdesign sicherzustellen, ist der Standard-Editor von WordPress meine erste Wahl.

Auf Platz Zwei kommt der WP Bakery Page Builder, da er die größtmögliche Gestaltungsfreiheit bei leichten Abstrichen in Sachen Ladezeit bietet. Für Designer und erfahrene WordPress-Nutzer mit Sicherheit ebenfalls eine gute Wahl. Wenn man allerdings eine kleine, wenig häufig aktualisierte und bspw. sehr stark animierte Website bevorzugt, sollte man sich auch mal überlegen, ob man überhaupt ein Redaktionssystem wie WordPress braucht oder nicht eine statische Lösung entwickelt.

Der Elementor-Editor ist zwar sehr schick und bietet große Flexibilität in Sachen Gestaltung, ist allerdings aus Ladezeit- und SEO-Sicht eine Krücke.

Severin Lucks

Geschäftsführer der DELUCKS GmbH und Ideengeber für websei.de. Ich mag die Kombination von gutem Design, ansprechenden Texten und wirkungsvoller SEO.