One-Pager: Aufbau, Vorteile & Nachteile

One-Pager, also einseitige Websites, die primär durch Scrollen bedient werden, freuen sich großer Beliebtheit, obwohl sie fast nutzlos sind.

One-Pager bestehen meist aus einer einzigen URL – mit Ausnahme der Kontaktseite, Datenschutzerklärung und Impressum. Häufig werden sie unter dem Argument empfohlen, dass sie besonders günstig in der Entwicklung und für mobil-affine sowie klickfaule Nutzerinnen geeignet sind. Doch wirklich nützlich sind sie für wenige Unternehmen. Deswegen möchte ich hier genauer auf sie eingehen und erklären, wieso ich grundsätzlich von One-Pagern abrate.

Aufbau & Layout

One-Pager werden logisch bzw. chronologisch aufgebaut. Sie beginnen mit allgemeinen Informationen für ein bestimmtes Thema, je weiter man runterscrollt, desto tiefer oder weiterführender werden diese. Man kann sich das wie einen Leuchtturm vorstellen, dessen oberen Teil mit dem Leuchtfeuer man zuerst sieht und je näher man ihm kommt, desto mehr man auch von dem unteren, breiteren Teil, dem (inhaltlichen) Fundament erkennt.

Ein Beispiel für einen schicken One-Pager stellt Kaltpresse aus Köln dar.

Die meisten One-Pager bedienen sich großer grafischer Elemente und haben ein responsives Design, da sie bei mobilen Nutzern besonders beliebt sind. Man unterteilt ihn in logische Abschnitte, sogenannte Sektionen, die grafisch voneinander getrennt werden (z. B. durch eine unterschiedliche Hintergrundfarbe). Dabei werden die einzelnen Abschnitte nach dem AIDA-Prinzip sortiert:

  1. Sektion soll durch ein einmaliges Key Visual und kurze, interessante Sätze für Aufmerksamkeit sorgen. Dort sollten auch schon ein bis zwei Call-to-Action-Buttons erscheinen, damit Nutzer wissen, was sie auf der Website unternehmen können.
  2. Sektion soll das Interesse wecken, hier wird in der Regel detaillierter erklärt, was angeboten wird. Zunächst beginnt man mit Besonderheiten, also den USPs, dann geht man auf alle für das Angebot relevanten Themen ein und schließt ggf. durch einen FAQ-Block ab.
  3. Sektion steht für Desire, das Verlangen. Dieses wird beispielsweise durch den Einsatz bekannter Marken und Rezensionen geweckt. Mithilfe von Anwendungs- und Fallbeispielen können sich Nutzer besser vorstellen, was das Angebot für sie bedeutet und idealerweise sogar sich damit identifizieren. 
  4. Sektion steht für die Aktion, sprich die Handlung, welche ausgeführt werden soll. Das kann ein Anruf, ein Kontakt- oder Buchungsformular sein. Empfehlenswert ist es, neben der Hauptaktion wie einer Kontaktanfrage auch eine sekundäre, weniger verbindliche Aktion anzubieten, welche auch weniger entschlossenen Nutzern zur Conversion führt: Dazu gehören bspw. Downloads eines Whitepapers oder Datenblattes und Anmeldungen für kostenlose Webinare und Kurse. Manche Anbieter setzen hierzu noch das Mittel der (künstlichen) Verknappung ein, indem sie etwa einen Countdown oder ein Limit für eine zeitlich oder mengenmäßig begrenzte Aktion integrieren, um Druck aufzubauen und Unentschlossene zu einer Handlung zu bewegen. 

In welcher Reihenfolge Sektion 2–4 integriert werden sollten, sollte durch Testing herausgefunden werden.  

Vorteile

Weil man alle Informationen für ein Thema auf eine URL packen und durch Scrolling nach unten logisch bzw. chronologisch Informationen anordnen (z. B. durch Storytelling) kann, sind One-Pager relativ einfach im Aufbau. Daher bieten auch viele Website-Baukästen schön (vor-) gestylte One-Pager an. Aber auch, wenn man einen One-Pager mit WordPress oder einem anderen CMS entwickelt, gibt es viele Templates und macht sie günstig in der Entwicklung.

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Somit können One-Pager recht schnell entwickelt werden. Ich erlebe sie auch oft bei (potenziellen) Startups, welche durch eine entsprechend günstige Website Ideen auf Akzeptanz prüfen. Und in der Tat sind auf eine URL reduzierte Websites per se nicht schlecht, aber wenn man mit ihnen professionelle SEO betreiben will, kommen sie an ihre Grenzen.

Nachteile

One-Pagern fehlt es allerdings an inhaltlicher Tiefe, um Suchmaschinen und Nutzerinnen von dem eigenen Angebot zu überzeugen, denn

  • eine einzelne URL kann man nur auf ein Thema mit 1–5 Keywords optimieren – so viele Keywords also, wie in den Meta-Titel reinpassen;
  • die Startseite kann nicht mit Rich Snippets in Google erscheinen, also erweiterte Vorschauen, die unter anderem Bewertungssterne enthalten können (Google ignoriert die dafür notwendigen Strukturierten Daten auf Startseiten);
  • für eine Website zählt auch der gesamte Kontext in Form weiterer URLs: Je mehr und hochwertige Informationen auf anderen Seiten bereitgestellt werden, desto größer sind auch die Chancen guter Google-Rankings anderer URLs, wie der Startseite. Ohne relevanten Unterseiten auch keine Erfolgsaussichten für die Startseite bzw. den One-Pager;
  • die Nutzersignale, welche Google zur subjektiven Bewertung einer Website erfasst, können bei einem One-Pager nur schlecht sein: Denn Nutzer können sich der Definition nach nur 1 URL anschauen, und sich keine differenzierte Meinung auf der Website bilden. Da die meisten Web-Analyse-Tools nicht nur einen Start-, sondern auch einen Endpunkt benötigen, um Verweildauer und Absprungrate zu messen, fallen besagte Metriken mangels Endpunkt beim One-Pager meist schlecht aus und vermiesen mögliche Google-Rankings zusätzlich.

Empfehlung

One-Pager sind also mangels Tiefe kaum für nationale und internationale Unternehmen geeignet, da sie einfach nicht wettbewerbsfähig sind. Sie eignen sich somit nur für lokale Anbieter, die ein einziges Gewerk anbieten, wie Restaurants:

Hier reicht es aus, weniger Informationen anzubieten, indem man beispielsweise

  • Fotos abgebildet,
  • Konzept und Koch vorgestellt,
  • Speise- und Getränkekarte darstellt,
  • Online-Bewertungen abbildet,
  • Lageplan und Erreichbarkeit erläutert sowie
  • eine Online-Reservierung anbietet.

Das kann zur Vermarktung vollkommen ausreichen, da in der Gastronomie primär lokale SEO zur Neukunden-Akquise zählt, welche über Google My Business erfolgt. Das Konzept, die Lage und Bewertungen – also das Erlebnis – sind also wichtiger als die inhaltliche Tiefe der Website.

Sobald man aber mehr Angebote hat oder sich differenzierter abheben will, kommen One-Pager an ihre Grenzen.

Fazit

Wie anfangs beschrieben ist das Prinzip des One-Pagers empfehlenswert, um Nutzerinnen (chrono-) logisch über ein Angebot oder ein Thema zu informieren, aber zu dünn, um außerhalb der lokalen SEO wettbewerbsfähig zu werden.

Wenn man aber das Prinzip des One-Pagers nicht auf eine, sondern auf mehrere URLs anwendet, dann können sich die (Plural) One-Pager aber zu sehr starken SEO-Hebeln entwickeln. Also statt einer einseitigen ultralangen Website besser eine Website aus mehreren URLs einplanen, die aus mittel-langen Inhalten bestehen. Somit kann man das Beste aus beiden Welten vereinen.

Diesen Hybrid aus One-Pager und klassischer Website nutzt übrigens auch Apple. Wir setzen ihn ebenfalls gerne bei unseren Kunden ein:

Durch einen Hybrid aus One-Pager und klassischer Website lassen sich weiterführende Informationen sinnvoll anbieten und im Inhalt verlinken und so „Autorität“ für mehrere Themen aufbauen: Inhaltliche Tiefe. Abgesehen davon, lässt sich so auch das Crawl-Budget der Suchmaschinen – also die Aufmerksamkeit, die Google & Co unseren Websites schenken – besser nutzen. Denn so werden Suchmaschinen regelmäßig mit hochwertigen Informationen versorgt und kein Crawl-Budget für irrelevante, inhaltlich dünne Seiten verschwendet.